Sonntag, 14. Juli 2019

Bepflanzte Bushaltestelle

In der niederländischen Stadt Utrecht werden jetzt Bushaltestelle bepflanzt. Dadurch soll Feinstaub aus der Luft gefiltert und Wasser bei starken Regenfällen aufgefangen werden. Bienenrettung inklusive.

Ohne es bisher selbst gesehen zu haben, finde ich die Idee echt gut. Ich denke, man sollte das auch auf andere Städte ausweiten.

https://www.jetzt.de/umwelt/niederlande-wollen-bienen-mit-bepflanzten-bushaltestellen-retten

Freitag, 14. Juni 2019

Insekten im Stadtgarten

Biodiversität ist hip und ein Dauerthema. Daher sollten wir uns deutlich mehr dem Ansiedeln von Insekten im heimischen Garten widmen.

Besonders wollen wir natürlich den bedrohten und nützlichen Tieren Aufmerksamkeit schenken.



Hier nicht dokumentiert, aber ein einfach anzusiedelnder und wirksamer Nützling ist der Ohrwurm.

So gehts:
Man nimmt einen Strick, bindet ein Ende zu einem Knoten und zieht das lose Ende durch das Loch eines Tongefäßes. Man nimmt einfach einen alten Blumentopf aus Ton. Der kann auch schon einen Sprung haben. Das ist kein Problem. Die Öffnung nach oben gerichtet und dann mit Holzwolle auffüllen. Wichtig: nur Holzwolle geht. Dann den Strick an einem Baum oder einem freien Vorsprung befestigen und dann einfach abwarten. Früher oder später ziehen Ohrwürmer ein. Die brauchen gerade in Städten dringend neuen Lebensraum.

Überhaupt kann man mit einfachen Mitteln die Ansiedlung fördern. Man kann einfach die wild zugeflogenen Brennesselle stehen lassen oder Wildblumen oder Kresse sähen. Dann kommen auch Marienkäfer. 
So kann man einfach einen Fressfeind von Blattläusen anziehen und man hat wesentlich mehr Freude mit seinem Garten.  

Dienstag, 11. Juni 2019

Deutsches urban farming Start- Up sammelt 100 Mio USD ein

Dass nachhaltiges und biologisch korrektes Gemüse Hochkonjunktur hat, ist mittlerweile bekannt. Neu ist jetzt aber, dass Unsummen in diese Art von deutschen Start- Ups investiert werden. Das Berliner Unternehmen infarm hat jüngst in einer Finanzierungsrunde 100 Millionen US Dollar eingesammelt. 
Damit dürfte das Geschäft mit urban farming zeitnah spürbar anziehen und mir und mehr Equipment in den Massenmarkt kommen.


https://www.handelsblatt.com/technik/vernetzt/gewaechshaeuser-im-supermarkt-100-millionen-dollar-fuer-gemuese-berliner-start-up-ueberzeugt-investoren/24442702.html

Samstag, 8. Juni 2019

Neue Domain: gemuese.space

Ab sofort könnt ihr diesen Blog auch unter www.gemuese.space finden!

Es geht ja um Platz für Gemüse - von daher sollte die ganze Sache eigentlich selbsterklärend sein.

--> www.gemuese.space

Samstag, 1. Juni 2019

Was tun bei Pilzbefall?

Dieses Problem hatte bestimmt jeder Stadt- und Balkongärtner schon mal: Pilzbefall auf den Pflanzen.

Nun will man natürlich im eigenen kleinen Garten nicht unbedingt gleich die chemische Keule schwingen und so gibt es ein gutes biologisches Mittel, das ich selbst schon ausprobiert habe - Zwiebeljauche.

Ein paar Infos vorweg:

Jauchen basieren auf Gärung. Somit eignen sie sich besonders gut für Stadtgärtner, weil ihre Herstellung einfach ist.

Es ist sinnvoll, ein ca 10 Liter fassendes Gefäß mit passendem Deckel zu verwenden. Das Gefäß ist wegen der entstehenden Gerüche im Anschluss praktisch nur noch im Garten zu verwenden.
Wichtig ist der schon erwähnte Deckel. Den braucht man erstens, um die entstehenden Gerüche einzudämmen und zweitens für die Erwärmung des Eimers.
Außerdem sollte man den Eimer unbedingt außerhalb der Wohnung abstellen können.

Herstellung:

Auf 10 Liter Wasser sollten 500g Zwiebeln gemischt werden. Die Zwiebeln würfeln (möglichst große Oberfläche) und in das Gefäß geben. Anschließend mit 10 Liter kalten Wasser aufgießen und draußen stehen lassen. Dort muss es dann mindestens 10 Tage stehen. Nach dieser Zeit nimmt man dann ein Schöpfgefäß und verteilt  es im Beet. 
Die Zwiebel enthält Inhaltsstoffe, die Pilzgeflechte im Boden angreifen. Daher ist die Zwiebeljauche auch bei allen Pilzkrankheiten anwendbar.



Solltet ihr ein Plastikeimer verwenden, darf dieser nicht bei warmen Temperaturen in der prallen Sonne stehen. Das Volumen nimmt nämlich stark zu und könnte zum Riss des Gefäßes führen. Am besten eignet sich daher ein alter Kochtopf mit passend aufliegendem Deckel.

Übrigens keine Bedenken wegen der Zwiebelstückchen im Bett. Diese verrotten innerhalb einer Woche und sind dann schnell komplett verschwunden.

Anwendung: Eigentlich immer präventiv. Hilft gegen Läuse und Schimmel, Tomatenfäule, Braunfäule und Bakterien. Sollte es tagelang stark regnen und die Pflanzen dauerhaft in Staunässe stehen, kann man die Zwiebeljauche eigentlich gleich ansetzen.

Montag, 18. März 2019

Squarefoot Gardening kommt nach Deutschland

Der Trend zu "Natur pur" ist schon längst angekommen, aber nun kommt etwas Neues zu uns. Es geht um "Squarefoot Gardening". Ein Fuß entsprechen ca 0,3m (1ft = 0,3048m). Dementsprechend ist ein Quadraftfuß ca 0,9m² - gerundet 1m².

Die Idee ist: Auf einer Fläche von 1m auf 1m sollen im Wechsel verschiedene Pflanzen wachsen. Dabei wird die Jahreszeit und die Pflanzennachbarn beachtet. 

Ein Umsetzungsbeispiel kann mir hier sehen:
https://seidenfein.blogspot.com/2015/07/einfach-tolles-gemuse-diy-square-foot.html

Die 1m² große Fläche wird dann 9 gleich große Flächen unterteilt, die fortan einzeln bearbeitet werden.
Das ursprüngliche Squarefoot Gardening beinhaltet nicht nur positive Wechselwirkungen von Nachbarn, sondern auch den Fruchtwechsel. So wird sichergestellt, dass keine Starkzehrer mehrmals auf die selbe Parzelle kommen. So können negative Überraschungen vermieden werden.

Das Schöne am Sqaurefoot Garding ist, dass fast jede(r) diese Methode ausprobieren kann. Man braucht eben nur einen Quadratmeter Platz auf dem Balkon oder im Garten. Somit können auch Städter, die in Zeiten von hohen Immobilienpreisen selber anbauen möchten, nicht darauf verzichten. 
Sollte man keine quadratische Fläche zur Verfügung haben, kann man die Fläche auch als Rechteck gestalten. Man sollte aber darauf achten, die Fläche nicht zu stark zu verzerren, weil sonst der positive Nachbarschaftseffekt (Agglomerationsvorteil) verloren geht. Im Internet gibt es ausreichend Beispiele und Bücher gibt es mittlerweile auch massenhaft zu dem Thema.

Tipp:
Wer nicht gleich mit dem kompletten Squarefoot Gardening einsteigen möchte, sondern sich eher langsam an Urban Farming rantasten möchte, sollte sich trotzdem in die Materie einarbeiten. Dadurch kann mein zumindest Symbiosen im kleineren Stil realisieren. Die bekannteste dürfte wohl die aus Tomaten und Basilikum sein. Doch es gibt noch viele viele mehr und squarefoot gardening ist eine gute Gelegenheit, in das Thema einzusteigen.

Montag, 25. Februar 2019

Neue start-ups in der Urbanfarming Szene

Mittlerweile ist urban farming mehr und mehr bekannt geworden und die ersten Start ups werden richtig groß. Auch Hedgefonds investieren mittlerweile so im großen Stil in urban farming. Das bringt die ganze Idee deutlich weiter in Richtung Umsetzung. Dabei gibt es eine allgemeine neue Entwicklung: diese start-ups suchen mittlerweile händeringend Personal. Der Kurs ist also voll auf Wachstum gestellt!

Zwei start-ups möchte ich heute vorstellen:

Plenty - San Fransisco - http://www.plenty.ag - www.plenty.ag

Plenty setzt auf dezentrale Erzeugung und möchte Großmärkte und kleine Geschäfte beliefern. Klassischer B2B Ansatz eben. Dabei wird im größeren Stil Automatisierungstechnik eingesetzt. Es wird indoor angebaut und der Mehrwert ist eine Erzeugung in der Nähe der Endkunden, um Emissionen beim Transport und natürlich auch um Logistikkosten zu sparen.  

Agrilution - München - http://www.agrilution.de - www.agrilution.de

Agrilution setzt auf B2C. Verbraucher sollen die Hardware kaufen, um sich daheim unabhängig von klimatischen Bedingungen ihr eigenes Minigärtchen indoor zu schaffen. Dabei soll es ohne Erde, sondern mit Substrat gehen. Die Kisten sind mit LED Technik und Verbindung in die Cloud ausgestattet. Automatische Klimaregulierung und Bewässerungssystem ist inklusive. Über den Stromverbrauch war bisher nichts zu erfahren. Zahlreiche Partner sind bereits an Bord. Osram ist Entwicklungspartner. Weitere könnten möglicherweise folgen.

Sonntag, 21. Oktober 2018

Kurze Einführung in LED Technik für Pflanzen

Seit langem mal wieder ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung zum Thema LED Technik.

Eine Art Einführung in das Thema. Das ganze Thema kommt so langsam ins Rollen und es freut mich, dass es auf diesem Gebiet ein Entwicklung gibt.

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/landwirtschaft-im-labor-wo-die-erdbeeren-ohne-sonne-wachsen-1.4177054


Montag, 15. Oktober 2018

Sonntag, 17. Juni 2018

Rosenkohl - nicht so einfach


Erstmal ein paar grundlegende Infos zum Thema Rosenkohl:
Rosenkohl ist meist zweijährig, d.h. man kann zwei Jahre hintereinander ernten. Das bedeutet aber auch, dass man etwas langfristiger planen muss.

Der Standort sollte sonnig, ggf. mit Halbschatten sein und der Boden muss nährstoffreich sein. Falls man die Möglichkeit hat, sollte man etwas Hühner- oder Pferdemist oder Kompost die Erde ca. zwei Wochen vor dem Einpflanzen vorbereiten. Ansonsten spielt Wind eine eher untergeordnete Rolle, weil die Stengel später ja recht stabil werden. 

Rosenkohl zieht man am besten aus den Samen. Das geht recht einfach. Man sollte darauf achten, gleich in kleinen Torftöpfchen zu ziehen und diese dann später mit zu verpflanzen. Dadurch kann auch in der Stadt der hohe Nährstoffbedarf am Anfang gedeckt werden.

Sobald die Pflanzen 4 bis 5 cm groß sind, können sie ins Freie. 

Rosenkohl ist oft interessant für Schädlinge (z.B. Kohlfliegen) oder auch für Krähen. Weil Rosenkohl ja später eine Wuchshöhe von ca. 70 bis 75 cm erreicht wird, habe ich gleich ein kleines Gerüst aus Bambus herum gebaut. Das stützt die Pflanzen später zusätzlich im Wind und schreckt die Krähen ab. Aber das Beste ist, dass die Spinnen ihre Netze darin bauen können und darin verfangen sich schon mal Kohlfliegen. Auch eine Zwiebel zwischen dem Rosenkohl hält die Schädlinge ab.

Zusätzlich sollte man in vor allem in der ersten Zeit eine Gelbfalle an das Gerüst hängen, denn wenn man von Anfang an Maßnahmen gegen die Fliegen ergreift, hat man später weniger Ärger. Außerdem sollte man jeden Tag mit den Fingern über die Unterseite der Blätter fahren und die kleinen weißen Larven entfernen. Blätter, die gelb sind, sofort abnehmen und in den Restmüll geben. Nicht in den Kompost, weil auf oder in diesen Blättern höchstwahrscheinlich kleine Larven sind. Mit Ausbringen des Kompost hat man dann ein potenziertes Problem. Ansonsten immer feucht halten. Die Pflanzen müssen bis spätestens Ende Mai ins Freie, sonst wird es mit der Ernte im Herbst nichts mehr.

Spätestens im zweiten Frühjahr Kompost, Dünger oder Mist untermischen. Rosenkohl wächst in großen Töpfen. Am Besten stellte man dann mehrere Töpfe nebeneinander, so dass sich die Pflanzen gegenseitig stützen. Gerade in der Stadt sollte man auf jeden Fall eine Rankhilfe verwenden. Will man Rosenkohl in der Balkonkiste pflanzen, sollte diese mindestens 35 bis 40 cm breit sein, damit die Wurzeln Platz haben. Generell würde ich aber von den Kisten abraten und große Töpfe empfehlen. Hier waren große Kiste mit 50cm Tiefe verfügbar, sonst würde es wahrscheinlich eher nicht klappen.

Rosenkohl ist also schon aufwendig, aber dafür hat man länger etwas davon.

Den Rosenkohl mindestens im Abstand von 35 cm pflanzen. 

Rosenkohl:
Schwierigkeit: schwer
Anforderungen an Boden: hoch
Frequenz der Ernte: gering


Erste Salaternte in diesem Jahr

Der Frühling war diesmal ja ziemlich kurz. Erst viel Regen und dann wurde es heiß: hervorragende Bedingungen für den Salat.

Trotz ein paar Blattläusen lief es wirklich hervorragend dieses Jahr. Der Salat hat insgesamt nur dreieinhalb Wochen gebraucht. 
Wichtig war in diesem Jahr ganz besonders die durchlässige Erde. Etwas sandig sollte es schon sein, denn durch den Klimawandel regnet es seltener, aber dafür dann deutlich stärker.
Durch diese schwer zu kalkulierenden Bedingungen hat sich folgende best prcatice ergeben:
Statt selber zu ziehen, sollte man bei Salat lieber die Setzlinge im Baumarkt kaufen und diese an am besten an einem Tag einsetzen, an dem keine Gewitter zu erwarten sind. Ein kleines Loch machen, mit Wasser befüllen und dann den Setzling mit der Erde einsetzen. 
Außer Durchlässigkeit braucht man beim Boden eigentlich auf nichts zu achten.

Und dann regelmäßig gießen. Mindestens einmal am Tag, am besten Abends. Denn tagsüber ist die Wärme zu stark und zu viel Wasser verdampft.

Bei der Ernte dann unterhalb des Strunks abschneiden (am besten mit einem scharfen kleinem Messer). 
Will man dann nochmal Salat ansetzen, dann die Wurzel ausheben und in das gleiche Loch einen neuen Setzling einpflanzen.

Das Ganze geht übrigens 2- 3x pro Jahr, aber nicht im Topf. Eine Kiste sollte es schon sein. 
Sollte in der Zwischenzeit die Blattlaus Interesse am Salat gefunden haben, einfach eine Seifenlauge (1/3 Spülmittel, 2/3 Wasser) in einen Spritzer füllen und dann möglichst an der Unterseite der Blätter anwenden.

Wer eher auf Bio setzt, sollte mit den Setzlingen gleich ein paar Zwiebeln oder Knoblauch zwischen dem Salat einpflanzen.

Den Salat kann man problemlos im Abstand von 25 bis 30 cm pflanzen.

Salat:
Schwierigkeit: einfach
Anforderungen an Boden: gering
Frequenz der Ernte: hoch



Dienstag, 25. April 2017

Anzucht von Tomaten & Chilis auf dem Balkon

Dieses Frühjahr ist es ziemlich kalt gewesen und immer noch wird Ende April Schnee und Nachtfrost vorhergesagt.
Trotzdem ist es notwendig, jetzt die Pflanzen zu setzen, weil es sonst zu spät für die Ernte werden könnte.

Für die Anzucht unter solchen Bedingungen sind einige Dinge zu beachten:

Ohne eine Anzuchtbox geht es zwar, dauert aber länger. Außerdem brauchen die Töpfe Wärme (so um die 20 Grad, also Zimmertemperatur). Die Wärme gibt es aber Vorzugsweise in der Nähe der Heizung. Das bedingt aber, dass dort die Luft sehr trocken ist. Die Anzuchtbox hilft auch hier, weil sie die Feuchtigkeit doch besser hält.
Auch Torftöpfchen sind prima, weil sie Nährstoffe bereitstellen. Diese passen auch gut in die Box.
Und dann wie immer: mit Erde befüllen, Samen einsetzen und etwas gießen (nicht zu viel). Ein Sprühflasche ist hier besser, weil dann das Wasser nicht in der Box steht, wenn man mal zu viel Wasser gibt.

Die Box sollte dann auf dem Fensterbrett über der Heizung stehen. Dort sollte die Box möglichst viel Sonne bekommen und täglich mit Wasser besprühen, so dass die Erde nie ganz trocken wird.

PS: Ganz wichtig: die Anzuchtbox möglichst nicht tragen, weil sie mit den feuchten Töpfchen schwer wird und das Gewicht dann nicht halten kann. Dann kracht die Box auseinander und ihr habt die Erde und die Töpfchen auf dem Boden.

Samstag, 14. Mai 2016

Obst und Kräuter auf dem Hotelbalkon

Auf einer Dienstreise war ich in einem Hotel, auf dessen Balkon Erdbeeren und frische Kräuter angebaut wurden. Natürlich zur freien Verfügung für die Gäste.
Es gab sogar ein halbautomatisches Bewässerungssystem, das für optimierten Wasserverbrauch sorgt. Gleichzeitig ist der ganzen Balkon in seiner Komposition, Pflanzenauswahl (-->Symbiosen) und bzgl. der Menge an Erde gut durchdacht. Es macht wirklich Freude, solche Beispiele immer häufiger zu sehen.

Es ist somit ein weiteres Beispiel für die Zukunft und eines umweltbewussten Lebens und Essens.

Montag, 9. Mai 2016

Dokumentation des BR über Urban Gardening

Hier findet ihr den Link zu der ersten großen Dokumentation des BR über Urban Gardening.  
Eine schöne Zusammenfassung, vor allem die sozialen Aspekte dieser Bewegung, die noch mehr zum eigenen Stadtgarten motiviert. 

Gezeigt werden großes und kleine, öffentliche und private Projekte in München und Nürnberg.

 Dauer: ca. 45 Minuten - unbedingt anschauen.

> > > BR Doku - Stadtgärtnerei


Sonntag, 1. Mai 2016

Tomaten anbauen

Tomaten eigenen sich ideal für den Anbau auf dem Balkon in der Stadt. Nachfolgend findet ihr einige Tipps & Tricks, die euch helfen werden.

Auswahl der Sorte
Es gibt unzählig viele verschiedene Sorten - Kirschtomaten, Fleischtomaten, grüne Tomaten, gelbe Tomaten, Rispentomaten und und und... Gute Erfahrungen haben wir mit allen Sorten gemacht, die wir ausprobiert haben, besonders Pannovy, Moneymaker und Balkonzauber. Eine von den dreien findet man in jedem Supermarkt.

Was bedeutet F1?
F1 ist die Abkürzung für F1 Hybridsorte."Der Begriff stammt aus der Vererbungslehre und der Saatgutzüchtung. F1 Hybridsamen enstehen aus der Kreuzung zweier reinerbiger, hochwertiger Elternsorten. [...] Die aus solchem Saatgut gezüchteten pflanzen haben besonders gute Eigenschaften, z.B. tragen sie reicher, schmecken besser oder sind widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten." [1]

Welche Erde brauche ich?
Grundsätzlich wachsen Pflanzen eigentlich fast überall. Obwohl sie sog. Starkzehrer sind, wachsen sie auch in Blumenerde vom Baumarkt. Pflanzenerde ist etwas nährstoffreicher und daher besser. Manchmal wird spezielle Tomatenerde angeboten. Diese ist aber meist teurer (im Vergleich zu Blumen- oder Pflanzenerde) und auch überflüssig, weil sie gegenüber Pflanzenerde keinen erkennbaren Mehrwert bieten konnte.

Wie pflanze ich an?
Es empfiehlt sich zunächst in einem kleinen Torftöpfchen, das mit Erde gefüllt wird, anzusetzen. Ein Samen wird dann pro Töpfchen 1cm tief vergraben und mit lockerer Erde bedeckt. Idealerweise kommt das kleine Töpfchen dann in ein Balkongewächshaus an einem warmen Ort in der Wohnung.
Ist das Samen gekeimt und eine kleine Jungpflanze ca. 5cm gewachsen, sollte man sie in ein größeres Gefäß umsetzen. Weil die Pflanzen recht schnell wächst, sollte man sie gleich in ein großes gefäß umsetzen damit man sich den Aufwand des dauerndes Umsetzens erspart. Außerdem brigt jedes Umsetzen das Risiko, dass der Stamm abknickt - dann stirbt die Pflanzen meistens.
Das Gefäß sollte ein Blumentopf mit mit 27cm Durchmesser sein. nicht kleiner, aber mehr als 50cm Durchmesser sind auch nicht notwendig. Ist das Gefäß zu klein, wächst zwar eine Pflanze, die dann aber weniger oder keine Früchte trägt.
Im großen Gefäß sollte noch eine Rankhilfe von einer Länge von 150cm gesteckt werden.

Wann pflanze ich an?
Ansetzen in der Wohnung sollte man nicht vor April. Die Pflanzen können dann ins Freie sobald die Temperatur nachts nicht unter 8°C fällt. In anderen Foren udn Büchern wird auch empfohlen, die Pflanzen isn Freie zus etzen, sobald es frostfrei ist. Eigene Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass Temperaturen von ca. 6°C auch noch abträglich sind.
Empfehlenswert ist, Jungpflanzen zwischen Mai und Anfang Juli ins Freie zu setzen. Nach Anfang Juli anzupflanzen ist nicht imme ratsam, weil es Ende September manchmal schon kalt wird/Schnee fällt und die Pflanzen dann keine Früchte mehr reifen.

Wo pflanze ich an?
Am besten sind warme (maximal 35°C), sonnige und regengeschütze Stellen.

Gibt es Kombinationen mit anderen Pflanzen?
Manche Nachbarschaften sind gut, andere eher schlecht.
Gut vertragen sich Tomaten mit: Basilikum als schwachzehrer, alle anderen Kombinationen sind eher problematisch, weil das Nährstoffangebot in den Töpfen zu stark begrenzt ist.
Schlechte Kombinationen: Gurken, Bohnen, Erbsen, Paprika [2].

Muss ich düngen?
Ja, Tomaten, die in Töpfen wachsen, sollten geüngt werden. Hier empfiehlt sich ein boilogischen flüssigen Tomatendünger. Hier unbedingt darauf achten, dass die Erde zuerst mit Wasser angfeuchtet wird und erst anschließend gedüngt wird.
Andere Dünger wie verdünnte Pflanzenjauche oder feinkörnige Dünger sind oft nicht in kleinen Mengen erhältlich, und deshalb eher umständlich.

Wie oft muss ich gießen?
Grundsätzlich hängt der Wasserbedarf hauptsächlich vom Entwicklungsstadium ab. Andere Einflussfaktoren sind Intensität der Sonneneisntrahlung und Wind. Hier empfiehlt sich eine Mulchschicht, die die Verdunstung reduziert.
Tomaten im Topf sterben allerdings eher an zu viel Wasser, als an zu wenig. Es gilt: die Erde sollte immer feucht sein, aber möglichst ohne Staunässe.

Wie muss ich Tomaten pflegen?
Um sich das Pikieren (Vereinzeln) zu sparen, sollte nur ein Samenkorn pro Töpfchen eingesetzt werden. Ausgeizen (Nebentriebe abschneiden) empfiehlt sich bei hochwachsenden Sorten. 

Worauf muss ich achten, um meine Pflanzen gesund zu halten?
Braunfäule ist die häufigsten Krankheit bei Tomaten. Sie entsteht, wenn die Erde oder Blätter dauerhaft zu feucht sind. Die Blätter sollten ebenfalls möglichst trocken gehalten werden.
Blattläuse und weiße Fliegen befallen ebenfalls oft Tomaten. Man findet Sie an den Blattunterseiten. Sollten zu wenige Nützlinge wie z.B. Schlupfwespen zugegen sein, können die Schädlinge mit Kaliseife abgewaschen werden.
Dauerhaft welkende Pflanzen sind möglicherweise von Nematoden befallen und sollten entfernt werden.
Als beste präventive Maßnahme hat sich ausreichend Abstand zwischen den Pflanzen (ca. 30cm) bewährt.


[1] Tomaten für Garten & Balkon, ISBN 978-3-8001-8269-5
[2] Handbuch Bio- Balkongarten, Andrea Heistinger, ISBN 978-3-7066-2494-7



Sonntag, 24. April 2016

Was kann ich denn überhaupt in der Stadt anbauen?


Bevor das Projekt "eigener Stadtgarten" starten kann, sollte man sich darüber klar werden, was man denn überhaupt anbauen kann.

Man sollte zunächst bedenken, dass sich das Gärtnern in der Stadt deutlich von Gartenarbeit auf dem Land oder der Vorstadt unterscheidet, denn oft sind Platz und die Verfügbarkeit von Erde nicht gegeben.
Außerdem liegen in der Stadt die Temperaturen im Durchschnitt höher als auf dem Land (im Durchschnitt 0,5°C). Dichte Bebauung und die Bodenversiegelung, die vor allem im Sommer zu hohen Temperaturen in der Stadt führt, begünstigen somit auch eine frühere Aussaat [1].
Darüber hinaus begünstigen bzw. benachteiligen diese Faktoren aber auch den Anbau der ein oder anderen Art. Grund genug, sich rechtzeitig zu überlegen, was man in der Stadt (respektive dem Stadtbalkon) sinnvollerweise anbaut.

Nachstehend eine grobe Einteilung, was sich für den Anbau in der Stadt empfiehlt bzw. was man lieber bleiben lässt:


  • Kräuter
Generell eignen sich Kräuter sehr gut für die Stadt. Sie sind meist pflegeleicht und robust. Im Einzelfall v.a. auf die Bewässerung achten (z.B. Rosmarin hat Probleme bei Überwässerung)
  • Rankgemüse
Rankgemüse (wie z.B. Bohnen) wachsen auf dem Balkon nur gut, wenn das Gefäß ausreichend groß ist. Außerdem werden hier Rankhilfen benötigt, die man gut befestigen sollte).
  • Wurzel- und Knollengemüse
Über Wurzel- und Knollengemüse liest man in Anleitungen für Stadtgärtner alle möglichen Empfehlungen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass auf dem Balkon alles Wurzelgemüse tendenziell eher schlecht wächst. Wahrscheinlich liegt es am begrenzten Raum für die Wurzeln selbst. 
  • Fruchtgemüse
Fruchtgemüse (wie z.B. Tomaten) ist für die Stadt ideal geeignet. Hier kommt es maßgeblich auf die Standortwahl an, denn dieses Gemüse benötigt viel Sonne, sollte aber gleichzeitig für Regen geschützt werden. Ideale Bedingungen bietet da der überdachte Balkon.
  • Blattgemüse
Blattgemüse (z.B. Salat) eignen sich ebenfalls gut für die Stadt. Sonnige Standorte sind ideal, Regen und Wind machen ihm praktisch nichts aus und Schädlinge wie schnecken schaffen es nicht in den ersten Stock. 
  • Knopsengemüse
Knospengemüse (z.B. Artischocke) benötigt sehr große Gefäße, weil die Wurzeln bis zu 50cm tief in die Erde reichen. Obwohl einige Ratgeber zeigen, dass Knospengemüse "balkontauglich" ist, raten wir wegen dem zu großen Platzbedarf und schwieriger Handhabung (z.B. bei strikten Fremdbestäubern) für den Anfänger davon ab.
  • Obst
Apfelbäumchen oder Sträucher auf dem Balkon? Natürlich geht das, aber der Platzbedarf (v.a. bei Sträuchern) ist enorm. Bei Obstbäumen sollte jedem klar sein, dass sie nicht immer im ersten Jahr schon Früchte tragen. Anosnten sind sie recht pflegeleicht, müssen aber ggf. im ersten Winter ins Haus geholt werden.

Literaturverweis:

[1] Handbuch Bio-Balkongarten, Andrea Heistinger, ISBN 978-3-7066-2494-7

Dienstag, 12. April 2016

Taubenabwehr in der Stadt

Ein immer größer werdendes Problem für Stadtgärtner sind Tauben.

Sie sind nicht nur lästig, wenn sie sich z.B. selbst an den Früchten bedienen, sondern auch gefährlich, wenn sie ihren Kot und andere Mitbringsel hinterlassen. Diese beinhalten nicht selten Baktierien oder Würmer, die für den Menschen zur Gefahr werden können.
Selbst Pflanzen können diese Stoffe ggf aufnehmen und so über den Verzehr in den Körper gelangen.

Kurzum: für den Stadtgärtner können Tauben zu einem echten Problem werden.

Welche Möglichkeiten gibt es nun, sich zur Wehr zu setzen. Nachstehend eine kleine Zusammenfassung ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

1. Gift
Ist angeblich ziemlich effektiv, allerdings auch verboten, weil dies einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz darstellt und somit zu Geldstrafen führen kann.
Für eine dauerhaft taubenfreie Zeit müsste man allerdings recht viele Tauben vergiften, was relativ unrealistisch erscheint.

Typ. reaktiv
Preis: unbekannt
Fazit: schlechte Idee.

2. Strom:
Hier muss man unterscheiden zwischen zwei unterschiedlichen Stromstärken:
- die Abwehr durch niedrige Stromstärken führt zu unangenehmen Schlägen, die die Tiere vertreiben. Diese Schläge sind nicht tödlich. Die Montage solcher Anlagen ist mitunter recht aufwendig.
- die Abwehr durch höhere Stromstärken kann für das Tier durchaus tödlich enden. Auch das kann zu Geldstrafen führen (siehe oben), aber auch zu einem Tierkadaver im Garten oder auf der Terrasse, was ebenfalls äußerst unangenehm sein kann. In diesem Falle sollte man das Tier nur mit großer Vorsicht und mit geeignetem Material (Handschuhe, etc) anfassen. Niemals mit bloßen Finger anfassen und Kontakt unbedingt vermeiden!

Typ: reaktiv
Preis: ab ca. 550€
Fazit: Das Vertreiben von Tauben mit Stromschlägen eignet sich vor allem auf Dächern und Dachrinnen.

3. Farbbänder
Farbbänder ändern ihr reflektierendes Spektrum je nach Einstrahlungswinkel der Sonne. Die Montage ist meist recht unkompliziert und geht recht schnell. Nachts sind sie allerdings wirkungslos und auch bei bewölktem Himmel ist ihr Nutzen stark eingeschränkt. Bei Regen funktionieren sie ebenfalls nicht.
Diese Farbbänder können beispielsweise an Spielgeräten für Kinder (Schaukeln, Rutschen, etc) oder Fenster mit direkter Sonneneinsrahlung verwendet werden.

Typ: präventiv
Preis: ab 25€
Fazit: Taubenabwehr durch Farbbänder ist allenfalls eine Methode, die sich mit anderen kombinieren lässt. Nur das Anbringen von Farbbändern alleine erscheint wegen der zahlreichen Einschränkungen nutzlos.

4. Vogelattrappen
Vogelattrappen sind der Klassiker in der Taubenabwehr. Sie sind ohne spezielle Kenntnisse aufstellbar und relativ günstig. Da Tauben aber auch intelligente Tiere sind, durchschauen sie die Täuschung nach einiger Zeit.

Typ: präventiv
Preis: ab ca. 5€
Fazit:Hier hilft, sich mehrere verschiedene Atrrappen zuzulegen und diese dann ab und zu an anderen Orten aufzustellen oder die Attrappen durchwechseln.

5. Blitzlicht
Das Vertreiben von Tauben mit Blitzlich ist in der Stadt grundsätzlich machbar, so lange es Nachbarn nicht beeinträchtigt. Denkbar wäre hier also ein Einsatz auf dem Hausdach.
Bisher werden diese Geräte eher auf Obstplantagen oder im Umfeld von Anlagen mit vielen Gewächshäusern angewendet.
Sollte so ein gerät für die Verwendung in Betracht kommen, achten Sie unbedingt auf eine ausreichende Stromversorgung. Bei vielen Geräten ist die mitgelieferte Solarzelle zu klein und auf den Akku alleine sollte man sich nicht verlassen.

Typ: präventiv
Preis: ab ca. 30€

6. Wildtiergeräusche
Wildtiergeräusche, z.B. von Greifvögeln, vertreiben die Tauben ebenfalls zeimlich effektiv. Die notwendigen Lautsprecher sind meist für die Wandmontage konzipiert. Die Verwendung dieses Systems ist in dichtbesiedelten Bereichen allerdings fast zwangsläufig mit Beschwerden der Nachbarschaft verbunden.

Typ: präventiv
Preis: ab ca. 40€
Fazit: Diese Systeme sollten eher in der Obstplantage angewandt werden - in der Stadt besser nicht.

7. Abschuss
Für Abschuss von Tauben gilt das gleiche wie Gift - nur das beim Abschuss auch noch das Entfernen des Kadavers anfällt.

Typ: reaktiv
Preis: unbekannt
Fazit: schlechte Idee.

8. Taubenspikes
Taubenspikes sieht man häufig, z.B. in Dachstühlen oder Kirchtürmen. Die Wirkkungsweise ist offensichtlich und bedarf keiner näheren Erläuterung. Die Vorteile liegen auf der Hand: kein Strombedarf, witterunsgbeständig und immer einsetzbar. Falls nicht mehr benötigt, lassen sie sich einfach wieder abbauen.
Die Montage ist mitunter aber problematisch, v.a. wenn man Mieter ist oder in einem denkmalgeschütztem Haus lebt.
Auch wenn sich Kinder regelmäßig in der Nähe aufhalten, sollte man auf die Verwendung verzichten.

Typ: reaktiv
Preis: ca. 5€ pro Meter
Fazit: einfache Lösung (ggf. vorher mit dem Vermieter abstimmen)

9. Taubendraht
Auf Halterungen werden Drähte gespannt, die so dünn sind, dass die Tauben nicht darauf sitzen können. Die Montage ist aufwendiger als bei den Taubenspikes, aber dafür ungefährlich für Kinder. Bei Taubendrähten handelt es sich meist um eine permanente Installation.
Auf gekrümmten, runden oder eckigen Vorsprüngen oder Sockeln ist die Montage aufwendig. In diesen Fällen sind Taubenspikes besser.

Typ: reaktiv
Preis: ca. 10€ pro Meter
Fazit: Montage etwas aufwendiger (ggf. vorher mit dem Vermieter abstimmen)

10. Ultraschall
Taubenabwehr durch Ultraschallwellen (vom Menschen nicht hörbar) vertreiben Tauben auch wirkungsvoll. Die Geräte benötigen meist einen Stromanschluss, sind sonst aber unkompliziert in der Montage.
Die Tauben kommen also gar nicht erst in die Nähe, sondern drehen frühzeitig ab.

Typ: präventiv
Preis: 30€
Fazit: gut und wirkungsvoll - benötigt eine Stromquelle

11. Taubennetze
Taubenetze verhindern, dass die Vögel in einen bestimmten Raum fliegen können. Die Montage ist einfach. Beim Kauf ist unbedingt auf die UV- Beständigkeit zu achten.
Bitte keine Moskitonetze, etc verwenden, die sind nicht witterunsgbeständig und nicht reißfest.
Die Maschengröße hängt natürlich mit der Sichtbeeinträchtigung zusammen. Empfehlenswert ist eine Maschengröße von ca. 5cm.

Typ: präventiv
Preis: ca. 1,50€ pro Meter
Fazit: Montage etwas aufwendiger (ggf. vorher mit dem Vermieter abstimmen)


Grundsätzliche Vorgehensweise:

1. Tauben nie füttern.
2. Tauben vom Balkon immer verscheuchen (Konditionierung!).
3. Kein Essen auf dem Balkon lagern.
4. Tauben nie anfassen, v.a. nicht, wenn sie leblos am Boden liegen.
5. Bei toten Tauben das Veterinäramt/ Ordnungsamt verständigen.

... und dann kann mich sich seine eigene Abwehrstrategie basteln.

Viel Erfolg!

Dienstag, 1. März 2016

Urbanfarming in Berlin

Nachdem es ja immer wieder mal Nachrichten in den sozialen Medien über die urban farming Szene in Berlin gibt, sind wir jetzt einfach mal hingefahren und haben uns das Pionierfeld am ehemaligen Flughafen Tempelhof, die Prinzessinengärten und infarm angesehen. Da wir Anfang März da waren, gab es natürlich nach nicht so viel zu sehen, aber immerhin konnten wir uns einen Eindruck von der verwendeten Hardware, der Idee und der Organisation machen. Darüber könnt ihr im weiteren Verlauf auch lesen.

Das Pionierfeld Tempelhof

Das Pionierfeld am ehemaligen Flughafen Tempelhof ist in der Nähe vom Eingang Columbiadamm gelegen und befindet sich in der Nähe einer künstlerischen Minigolfanalage am nördlichen Ende des Flugfeldes. 

Letztlich sind dort nur einige Pflanzenkisten in verschiedenen Ausführungen zu sehen, von denen wir uns aber besonders für die gestapelten Kunststoffkisten interessiert haben, weil die einen recht praktischen Aufbau haben. Die unterste Kiste ist mit Papier ausgelegt, das das von oben herablaufende Wasser aufsaugt. Darüber ist eine Schicht Kompost und eine Schicht kleiner Äste und Reisig. Die Kompostschicht war ca. 20 cm dick und die Reisigschicht ca. 10cm. Erst darüber kam Erde, die die oberste Schicht bildet. Letztendlich war gut erkennbar, dass dieser Aufbau eine so gute Saugfähigkeit hat, dass er sich durchaus auch für den Gebrauch auf der eigenen Terrasse oder auf Pflastersteinen eignet. Nichtsdestotrotz erinnert die gesamte Anlage doch eher an einen Schrebergarten oder eine lose Ansammlung an einzlnen Kiste denn an ein wirklich durchdachtes urban farming Konzept. Der Sinn scheint wohl eher darin zu bestehen, auch Großstädtern die Möglichkeit zum Gärtnern zu geben, als wirklich effektiv ökologische Nahrungsmittel in der Nachbarschaft anzubauen.

Prinzessinengärten

Die Prinzessinengärten liegen gleich in der Nähe der Ubahnstation Moritzplatz im Stadtteil Kreuzberg.
Bei dem Projekt Prinzessinengärten fällt sofort auf, dass es hier vor allem an Platz mangelt. Auf engstem Raum wurde hier aber ein ausgefeiltes Bewässerungssystem inklusive Überlauftanks für mobile Kleingärten in Kunststoffkisten aufgebaut. Umgeben von Hochhäusern wurde hier eine Insel mitten in der Stadt geschaffen, auf der in den warmen Monaten verschiedenste Nahrungsmittel angebaut werden. Besonders aufgefallen ist uns hier, dass erstaunlich viel Ausrüstung, wie Wassertonnen, Pflanzkisten, etc einfach herumstehen, weil auf den wenigen Platz einfach nicht alles passt. Die Anlage wirkt auf den ersten Blick etwas hippiesk, entpuppt sich aber auf den zweiten Blick als ausgefeiltes und platzsparendes Konzept. Für Interessierte empfiehlt sich ein Besuch vor allem in den Sommermonaten.

infarm

Infarm taucht immer wieder mit interessanten Beiträgen auf facebook auf. Wir haben also versucht, die Leute aufzusuchen, die sich dahinter verbergen. Nach etwas Recherche haben wir die Adresse gefunden und vor Ort festgestellt, dass es sich um keinen Verein, sondern um ein Start-Up handelt. Mit den Leuten vor Ort konnten wir leider nicht sprechen, aber uns durch das Fenster einen ersten Eindruck verschaffen. Hier wird hochprofessionell an neuen Möglichkeiten im Rahmen von indoor und vertical farming geforscht. Selbst ein eigenes Forschungslabor ist vorhanden. Automatische Bewässerungsanlagen und moderne Pflanzenlampen runden das Bild ab. 
Wie auf dem Bild erkennbar wird, ist die Idee, eine vertikale Wand, an die ein Gitter montiert ist, möglichst platzeffizient auszunutzen. Dabei wird überschüssige Wasser aus den oberen Gefäßen durch die unteren ab und verringert so den Wasserverbrauch insgesamt. Wer sich für einen Besuch vor Ort interessiert, sollte möglichst unter der Woche anrufen.

Letztendlich waren wir erstaunt, in einer Stadt so viele verschiedene Konzepte (vom öffentlichen Garten bis zum Forschungslabor) vorzufinden. Wir sind anschließend mit dem guten Gefühl nach Hause gefahren, dass urban farming wahrscheinlich noch eine ganz große Sache wird. 


Samstag, 16. Januar 2016

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Samstag, 19. September 2015

Kleine Einführung in künstliche Beleuchtung

Für die Photosynthese benötigen Pflanzen Licht, das tagsüber von der Sonne kommt.
Im Herbst und Winter reicht die Lichteinstrahlung jedoch oft nicht aus, um Pflanzenwachstum zu generieren.
An schattigen Plätzen und in Wohnungen kann das Licht auch in den Sommermonaten nicht ausreichend sein.
In diesen Fällen kann künstliche Beleuchtung helfen, den Mangel an Licht auszugleichen.



Was ist Licht?


Das Sonnenlicht besteht aus einem breiten Spektrum an Farben dessen Bereich von dem für das menschliche Auge undsichtbarem ultravioletten Licht über das sichtbare Licht von ca. 400 nm bis 800nm Wellenlänge bis zum unsichtbarem Infrarotbereich (Wellenlänge >800nm).

Pflanzen benötigen v.a. Licht der Bereiche 440nm bis 460nm (blaues Licht) und 530nm bis 560nm (rotes Licht).

Für das Wachstum ist vornehmlich blaues Licht zu nehmen, für die Blüte rotes Licht. Zu jeder Zeit sind beide Anteile zum Pflanzenwachstum erforderlich, die Gewichtung verschiebt sich dann mit fortschreitendem Wachstum von blau nach rot.



Wie kann ich dieses Licht erzeugen?


Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, dieses Licht zu erzeugen, z.B. mit Natirumdampflampen, Metallhalogenlampen, Leuchtstoffröhren, Kompaktleuchtmittel oder LED (light emitting diode).

Vergleiche zwischen den verschiedenen Typen gibt es in ausreichender Anzahl im Internet, daher sei hier kurz zusammengefasst:

Wir empfehlen für urban farming eindeutig LED Pflanzenlampen, weil sie Kosten für Energie niedrig halten und mittlerweile recht günstig in der Anschaffung. Außerdem gibt es angepasste LEDs für jeden Wellenlängenbereich und sie sind frei von Quecksilber.

Der geringe Platzbedarf von LED Lampen ist ein weiteres Argument für ihren Einsatz beim urban farming, weil das beschränkte Platzangebot oft die wichtigste Randbedingung darstellt.



Welche LED Pflanzenlampen soll ich nehmen?


Für die Auswahl der Pflanzenlampe zunächst ein kleiner Exkurs in die Physik:

Auf allen Lampen wird vom hersteller die Helligkeit in Lumen (lm) angegeben. Die zugrunde liegende Formel für die Intensität/ Beleuchtungsstärke ist

Lumen pro ausgeleuchtete Fläche = Beleuchtungsstärke lux
 

lm : m² = lx

Für die Wachstumsphase sollte ein Minimum vom 15.000 lx bis 20.000 lx erreicht werden.

Das bedeutet in der Praxis: Je höher eine Lampe hängt, desto schwächer wird die Beleuchtungsstärke. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass LED Pflanzenlampen nicht immer mit Angaben zur Helligkeit vertrieben werden. Als Faustregel kann man jedoch davon ausgehen, dass LED Pflanzenlampen unter 14 Watt für urban farming nicht sinnvoll sind.
Die Pflanzenlampen sollten dabei ca. 20cm bis 25cm über der Pflanzen angebracht werden.

Für eine beleuchtete Fläche von 2 m² empfehlen wir eine installierte Leistung mindestens 50W mittels LED Pflanzenlampen.


Unsere ersten Versuche haben folgende Ergebnisse gezeigt:

Sollen die Pflanzen zunächst indoor gezogen werden und später nach draußen versetzt werden, empfehlen wir zunächst, mehr blaue Lampen zu verwenden, weil diese gerade am Anfang des Wachstums notwendig sind. 

Sollen die Pflanzen permanent auf künstliche Beleuchtung angewiesen sein, kommt es darauf an, wofür die Pflanze verwendet wird. Basilikum soll beispielsweise möglichst gar nicht blühen. Hier sollte auf rotes Licht gänzlich verzichtet werden. Bei Tomatenpflanzen (Selbstbefruchter) sollen Blüten erzeugt werden, sobald die Pflanzen einigermaßen groß gewachsen ist. Bei Chilipflanzen, diese können sich nicht selbst befruchten, sondern benötigen Insekten bzw. Pinsel soll die Blüte möglichst im Mai oder Juni vorhanden sein. In den letzten beiden Fällen wird das künstliche rote Licht erst später zugeschaltet. Es bedarf also einer Steuerung. Diese ist von der jeweiligen Pflanzenart und dem Wachstumszyklus abhängig, so dass man um einiges Probieren nicht herumkommt.


Woher bekomme ich günstige LED Pflanzenlampen?


Derzeit gibt es selbst im gut sortierten Baumarkt kaum Auswahl an Pflanzenlampen. Selbst große Versandhändler bieten nur eine kleine Auswahl an LED Pflanzenlampen an. Derzeit gibt es die beste Auswahl bei ebay.


Wie beleuchte ich die Pflanzen?


Eine einfache und kostgünstige Lösung ist die Verwendung von Schreibtischlampen, in die eben LED Lampen eingeschraubt werden. Das ist günstig, flexibel und erfordert keine aufwendige Montage.

Indoor reichen einfache Fassungen aus, in die die Lampen dann geschraubt oder gesteckt werden. Auch Spotlights eignen sich gut, soweit sie sich montieren lassen.

Im Gewächshaus sollte unbedingt die Feuchtigkeit durch Abtropfschlaufen, Fassungen für Feuchträume, usw. berücksichtigt werden (Kurzschluss!).

Unter freiem Himmel sollte eine künstliche Beleuchtung nicht notwendig sein.


Beleuchtung von Chilipflanzen
Beleuchtung von Chili- und Tomatenpflanzen



Wie wähle ich die Beleuchtungszeit?


Weil einige Pflanzen sensitiv gegenüber den Tageszeiten sind, sollte darauf geachtet werden, dass nachts die künstliche Beleuchtung ausgeschaltet ist. Außerdem soll das Kunstlicht ja nur das fehlende Sonnenlicht kompensieren.
Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es völlig ausreichend ist in den Randstunden des Tages früh und abends künstlich zu beleuchten, also im Sommer von 5.00h bis 8.00h früh und von 18.00h bis 21.00h abends. Diese Zeiten hängen natürlich immer von der Jahreszeit ab.
Eine einfache zeitschaltuhr aus dem Baumarkt genügt dafür.


Ein kleines Rechenbeispiel:


Bei einem Preis von 25 Cent pro Kilowattstunde und 50 Watt installierter Leistung ergeben sich so monatlich Energiekosten von
30 Tage * 6 Stunden Beleuchtung * 0,25 €/ Kilowattstunde * 50 Watt
30 * 6 h * 0,25€/kwh * 50W = 2,25€


Keine andere künstliche Lichtquelle kann diese Energiekosten derzeit unterbieten.

So kann die LED Technik helfen, urban farming erfolgreich und wirtschaftlich zu betreiben - auch an schattigen Orten, an denen die geringe Anzahl an Sonnenstunden überhaupt keinen Anbau zulassen würde.